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Grüne Zukunft

Die Klimabilanz von Sprachnachrichten vs. Telefonaten

Mann sitzt am Baum auf einer Wiese und telefoniert
Mann sitzt am Baum auf einer Wiese und telefoniert

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„Ich schick dir kurz eine Sprachnachricht“ – ein Satz, den wahrscheinlich fast jede:r schon einmal gesagt hat. Statt anzurufen, nehmen wir eine Nachricht auf, schicken sie über einen Messenger und die andere Person hört sie an, wenn gerade Zeit dafür ist. Praktisch ist das allemal. Doch wie sieht es eigentlich mit dem Ressourcenverbrauch aus?

Sowohl Sprachnachrichten als auch Telefonate benötigen digitale Infrastruktur. Daten werden übertragen, Mobilfunknetze oder WLAN-Verbindungen genutzt und Rechenzentren arbeiten im Hintergrund. Bei Sprachnachrichten kommt außerdem die Speicherung der Audiodateien hinzu. Die Frage, welche Kommunikationsform die bessere Klimabilanz hat, lässt sich deshalb nicht mit einem einfachen „A oder B“ beantworten.

Wir schauen uns an, was technisch im Hintergrund passiert, wo die Unterschiede liegen und wie du im Alltag bewusster kommunizieren kannst.

1. Was passiert beim Versenden einer Sprachnachricht?

Eine Sprachnachricht fühlt sich fast so unmittelbar an wie ein Gespräch. Technisch funktioniert sie allerdings eher wie der Versand einer Datei.

Wenn du über einen Messenger eine Sprachnachricht verschickst, läuft vereinfacht Folgendes ab:

  • Dein Smartphone nimmt deine Stimme auf.
  • Die Aufnahme wird in eine Audiodatei umgewandelt und komprimiert.
  • Die Datei wird über WLAN oder Mobilfunk übertragen.
  • Die Nachricht wird über die Infrastruktur des jeweiligen Dienstes bereitgestellt.
  • Der oder die Empfänger:in lädt die Audiodaten herunter.
  • Die Sprachnachricht kann anschließend auf dem Smartphone beziehungsweise innerhalb des Messengers gespeichert bleiben.

Für eine kurze Nachricht sind die übertragenen Datenmengen vergleichsweise klein. Trotzdem benötigt jeder einzelne Schritt Energie – vom Smartphone über das Netzwerk bis zur Serverinfrastruktur.

Eine wichtige Besonderheit ist die Speicherung. Während ein klassisches Telefongespräch nach dem Auflegen vorbei ist, können Sprachnachrichten über Monate oder sogar Jahre im Chatverlauf erhalten bleiben.

2. Wie unterscheidet sich davon ein Telefonat?

Bei einem Telefonat werden ebenfalls Audiodaten digital übertragen. Der entscheidende Unterschied: Die Kommunikation findet in Echtzeit statt.

Während du sprichst, wird deine Stimme digitalisiert, komprimiert und über das jeweilige Netz zur anderen Person übertragen. Gleichzeitig passiert dasselbe in die Gegenrichtung.

Moderne Telefonate können dabei beispielsweise über LTE oder 5G laufen. Auch Messenger-Anrufe über WLAN oder mobile Daten funktionieren nach einem ähnlichen Grundprinzip.

Für die Klimabilanz spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:

  • Dauer des Gesprächs
  • verwendete Netztechnik
  • Qualität der Verbindung
  • Energiebedarf der beteiligten Geräte
  • Infrastruktur des Netzbetreibers

Nach dem Auflegen müssen die Gesprächsinhalte normalerweise nicht dauerhaft als Audiodatei gespeichert werden. Das unterscheidet Telefonate von klassischen Sprachnachrichten.

Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jedes Telefonat weniger Energie benötigt. Ein einstündiges Gespräch verursacht schließlich deutlich mehr laufende Datenübertragung als eine zehn Sekunden lange Sprachnachricht.

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3. Sprachnachricht oder Telefonat: Was ist nun besser?

Genau hier wird es etwas kompliziert. Eine pauschale Aussage wie „Sprachnachrichten sind immer sparsamer“ oder „Telefonieren ist grundsätzlich besser“ wäre zu einfach.

Entscheidend ist vor allem, wie du die jeweilige Kommunikationsform verwendest.

Eine kurze Sprachnachricht kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn du nur eine kleine Information weitergeben möchtest und ein längeres Telefonat dadurch vermeidest.

Anders sieht es bei einem ausgedehnten Austausch aus. Kennst du diese Chats, in denen erst eine dreiminütige Sprachnachricht kommt, darauf vier Minuten Antwort folgen und anschließend noch drei weitere Audios hin- und hergeschickt werden? Dann wäre ein kurzes Telefonat möglicherweise effizienter – und wahrscheinlich auch angenehmer.

Als einfache Orientierung kannst du dir merken:

  • Kurze Information: Text- oder Sprachnachricht kann praktisch sein.
  • Längeres Gespräch: Ein Telefonat ist häufig sinnvoller.
  • Viele Audios hintereinander: Überlege, ob ein Anruf einfacher wäre.
  • Information für später: Eine Nachricht hat den Vorteil, dass sie zeitversetzt abgerufen werden kann.

Die sinnvollste Kommunikationsform hängt also stark von der Situation ab.

4. Der größere Faktor ist unsere tägliche Nutzung

Bei der Klimabilanz digitaler Kommunikation lohnt es sich, die Größenordnungen im Blick zu behalten. Eine einzelne Sprachnachricht ist nicht das große Umweltproblem unseres digitalen Alltags.

Relevant wird der Ressourcenbedarf durch die enorme Menge digitaler Kommunikation insgesamt.

Jeden Tag werden weltweit Nachrichten verschickt, Videos gestreamt, Fotos hochgeladen, Cloud-Dateien synchronisiert und Videokonferenzen geführt. Dafür braucht es Rechenzentren, Netzinfrastruktur und Milliarden Endgeräte.

Bei Sprachnachrichten kommt ein interessanter Effekt hinzu: Weil sie so einfach aufzunehmen sind, werden sie manchmal deutlich länger als nötig.

Aus einem simplen „Bin um acht da“ werden schnell 45 Sekunden inklusive Denkpausen und Nebengeschichten.

Wenn du digitale Kommunikation bewusster gestalten möchtest, geht es deshalb weniger darum, jede einzelne Nachricht auf ihren Energieverbrauch zu überprüfen. Viel sinnvoller ist die Frage: Welche Kommunikationsform erfüllt ihren Zweck möglichst einfach?

5. So kommunizierst du digital etwas bewusster

Niemand muss anfangen, vor jeder WhatsApp-Nachricht den möglichen Energieverbrauch auszurechnen. Einige kleine Gewohnheiten helfen aber dabei, Daten und Geräte bewusster zu nutzen.

Sprachnachrichten kurz halten

Überlege vor der Aufnahme kurz, was du eigentlich sagen möchtest. Dadurch werden Nachrichten kompakter – und deine Gesprächspartner:innen freuen sich wahrscheinlich ebenfalls.

Bei längeren Gesprächen einfach anrufen

Wenn bereits die dritte fünfminütige Sprachnachricht ansteht, könnte ein Telefonat die einfachere Lösung sein. So lassen sich Rückfragen direkt klären.

Alte Daten gelegentlich aufräumen

Messenger können über Jahre enorme Datenmengen ansammeln. Fotos, Videos und Audiodateien belegen Speicherplatz auf deinem Gerät und können je nach Einstellungen zusätzlich in Backups landen. Ein gelegentlicher Blick auf große Dateien lohnt sich.

Automatische Downloads überprüfen

Nicht jede Datei aus jedem Gruppenchat muss automatisch auf deinem Smartphone gespeichert werden. In vielen Messengern kannst du festlegen, welche Inhalte automatisch heruntergeladen werden.

Das Smartphone möglichst lange nutzen

Dieser Punkt ist besonders wichtig: Bei Smartphones spielt die Herstellung eine große Rolle für die gesamte Umweltbelastung. Ein funktionierendes Gerät länger zu verwenden und bei einem Defekt möglichst zu reparieren, kann deshalb wesentlich mehr bewirken als die Optimierung einzelner Nachrichten.

Ob Sprachnachrichten oder Telefonate die bessere Klimabilanz haben, hängt von mehreren Faktoren ab. Kurze Audionachrichten übertragen nur kleine Datenmengen, können anschließend allerdings gespeichert und gesichert werden. Telefonate übertragen dagegen kontinuierlich Daten, hinterlassen normalerweise aber keine dauerhaft gespeicherte Audiodatei.

Viel wichtiger als die Frage „Sprachnachricht oder Anruf?“ ist deshalb ein bewusster Umgang mit digitaler Kommunikation. Für eine kurze Information reicht eine kompakte Nachricht. Möchtest du dich zehn Minuten austauschen, ist ein Anruf meistens unkomplizierter.

Und du musst dabei nicht jede Nachricht zum Umweltprojekt machen. Wenn du unnötige Daten vermeidest, dein Smartphone lange verwendest und digitale Dienste bewusst nutzt, hast du bereits an den wesentlich größeren Stellschrauben gedreht.

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